Samstag, 10. November 2007

Carlo's Drama: ein weiteres Stück seines Lebens

In Italien fängt man an, Carlos Geschichte zu kennen. Manche Zeitungen haben von ihr berichtet aber es reicht nicht. Wir (seine Freundin und all die Freunden) haben vielen wichtigen Leuten, Politikern, usw geschrieben. Aber keiner hat Lust sich mit so einer Geschichte zu engagieren. Wieso? Weil es gefährlich sein kann. Ja, genau.
Das Problem ist, dass jemand hat in den Usa Karriere dank dieser Unverschämtheit gemacht, die Anwälte trauen sich nicht mehr ganz (einer hat sogar den Fall aufgegeben: wurde er bedroht?), die Geschichte macht keine Werbung den Wichtigeren.
Es geht allen am Arsch vorbei, ob alle einfachste Menschenrechte und jede persönliche Würde sogar vergewaltigt werden.
Unser Abgeordnete Marco Zacchera ist der einzige, der sich tatsächlich engagiert hat, der Carlo sogar im Gefängnis besucht hat (unser Konsulat lässt sich zu oft in die Knie setzen), der was zu schreien hat: Italiener im Ausland, was für eine Diskriminierung!! Die Italiener im Ausland werden vom Staat nicht unterstützt, man muss was dafür tun!!
Jedenfalls, in Italien fängt man wirklich an, darüber zu reden und was dafür zutun. So wie es scheint, die Institutionen in den Usa fangen an, Angst davor zu haben.
Carlo muss zurück nach Italien, so schnell wie möglich. Ohne Zweifel.
Carlo gehört hier in Italien, bei seiner Familie und seinen Freunden.
Hilft uns diese Geschichte weite bekannt zu machen.

Sonntag, 4. November 2007

Carlos Geschichte

Was man in diesem Blog erzählen wird, ist nicht eine fabelhafte Geschichte, sondern eine grausame Realität. Ich möchte niemanden von seiner Unschuld überzeugen, aber bitte lest alle diese Geschichte und denkt darüber nach. Wir (seine Freundin Katia und all seine Freunde überall auf der Welt) möchten Menschen und Massenmedien sensibilisieren. Wenn jemand von euch uns dabei helfen könnte und möchte, das wäre super.
Ihm werden nicht nur Menschenrechte "vergewaltigt" sondern auch seinem ganzen Leben erniedrigt.
In den nächsten Posts werde ich Weiteres über dieses Drama erzählen, ich werde auch seine Briefe an die Familie schreiben. So eine große Ungerechtigkeit darf nicht mehr geschwiegen werden!!
Ich hoffe, ihr werdet all die Fehler verzeihen, die sicher gemacht werden. Das Wichtige ist, ihn gerecht nach Hause noch LEBEND zu schaffen!!
Ich weiss, dass es lang ist, aber bitte nehmt euch Zeit, das ist Eine Geschichte, das jedem passieren könnte!

Von Gabriele Ferraresi aus Carmilla on Line

Über gewisse Geschichten wird immer zu wenig berichtet. Über diese eine Geschichte wird schon gar nicht mehr gesprochen. Es handelt sich um ein Missgeschick, das trotz seiner offensichtlichen Abscheulichkeit nicht einfach zu verfolgen ist, mit so vielen Daten und Namen. In der Vergangenheit hat man davon berichtet aber es war nicht genug um etwas zu bewirken. Seit dem 3. Juni 2005 befindet sich Carlo Parlanti im Gefängnis in Avenal (Kalifornien) in Haft: er wurde von einer geistig gestörten Zeugin angeklagt und im Rahmen eines ungerechten Prozesses für Straftaten, die er nie begangen hat, verurteilt. Kann so was in den Usa geschehen? In genau jenem Land, das manch einer (etwa der Chefredakteur einer Kolumnisten-Tageszeitung mit wenigen Seiten) als land of freedom bezeichnet? Ja, das kommt vor.
1964 in Montecatini geboren, wird Carlo Parlanti in einer Familie wie viele andere erzogen. Er besucht ein naturwissenschaftliches Gymnasium und danach studiert er Physik an der Universität. Mit 25 Jahren kommt er nach Mailand, um Arbeit zu suchen: er ist ein aufgeweckter, lernfähiger Junge. Er ist unternehmungslustig und schickt seinen Lebenslauf an einen wichtigen, multinationalen Konzern, der heute massiv bekämpft wird. In „prä-globaler“ Zeit muss er sich durchschlagen: er fängt bei Nestlé an zu arbeiten, als Systemanalytiker und project manager, wie es heute genannt wird.
Er macht rasch Karriere, reist oft in ganz Europa. Er liebt dieses Leben: immer unterwegs, kein Tag gleicht dem anderen. Irgendwann beschließt er aber alles zu ändern. Er ist einfach so: ohne zu zögern ist er imstande plötzlich nach Amerika loszufliegen. Dies geschieht im Jahre 1996: er packt die Koffer und zieht in die USA. Zu diesem Zeitpunkt arbeitet er nicht mehr bei Nestlé, sondern für Dole: seine Karriere läuft bestens. Außer der Arbeit hat er aber auch eine andere Leidenschaft: Frauen. Davon hat er viele, manche nur für wenige Wochen, mit anderen dauert die Bindung Monate, Jahre oder eben nur wenige Tage. Jedenfalls sind es viele: auch in dieser Angelegenheit läuft es ziemlich gut für ihn. Besser noch: es scheint ein Leben zu sein, wie man es in den Werbungen sieht, wo alles in Ordnung ist und planmäßig abläuft, einfach nur beneidenswert. So scheint es zumindest.
2001: Carlo Parlanti lernt eine Frau kennen, Rebecca McKay White. Sie wurde 1959 geboren, ist also einige Jahre älter als er, und man merkt es. Sie treffen sich zum ersten Mal im April im Juwelierladen wo sie arbeitet und wo er die Uhrbatterie auswechseln lässt. Gerade während der Monate um den 11. September lernen sich die beiden besser kennen. Im November verliert Rebecca McKay White ihren Arbeitsplatz. Es ist eine schwierige Zeit: in Kalifornien herrscht Krise, Angst und Rezession. Vor allem gibt es aber eine Katastrophe auf der anderen Seite Amerikas, die die ganze Welt betrifft. Die beiden ziehen aus Monterey nach Westlake Village um, bei Malibu. Sie leben unter demselben Dach, das Haus von Carlo: Monate vergehen, ein neues Jahr beginnt, das Jahr 2002.
Der Sommer 2002 ist ausschlaggebend: Carlo Parlanti überlegt sich seit Längerem, nach Italien zurückzukehren um die in Amerika dazugewonnene Erfahrung Früchte tragen zu lassen, um das know-how einzusetzen, das er im großen internationalen Konzern erworben hat. Außerdem hat er Rebecca McKay White satt, er hält es nicht mehr aus, er will sie verlassen. Er hat keine Probleme damit, bei Null wieder anzufangen. Und er tut es auch. Am 16. Juli 2002 endet das Verhältnis mit Rebecca McKay White. Warum ein so präzises Datum? Weil es neben den Prozessaussagen auch verschiedene an Freunden geschickte E-mails gibt, die das beweisen. Rebecca McKay White wird von Carlo Parlanti vor die Tür gesetzt. In diesem Augenblick hat er sich entschlossen, das Übersee-Abenteuer zu beenden.
Zwei Tage später, am 18. Juli 2002, erstattet die Frau, die er soeben verlassen hat, Anzeige gegen ihn: sie erzählt von einer Nacht, in welcher Carlo Parlanti sie angeblich zuerst entführt, dann verprügelt und daraufhin sodomisiert habe. Außerdem habe er sie zum fist fucking gezwungen. Er soll sie mit Plastikbändern gefesselt und sie schließlich mehrmals vergewaltigt haben. Es sind sehr schwere Beschuldigungen, die gründliche Ermittlungen, Gutachten, Zeugen erfordern. In einem Wort: Beweise.
Im August fliegt Carlo Parlanti nach Italien zurück: dort lebt er frei und weiß von nichts bis zum Juli 2004, als er im Flughafen von Düsseldorf festgenommen wird und von einem internationalen Haftbefehl gegen ihn erfährt.

ZWEI JAHRE DUNKELHEIT
Was passiert vom Sommer 2002 bis zum Sommer 2004? Zwei Jahre Blackout, zwei Jahre, während denen Carlo Parlanti wieder in Italien und Europa arbeitet und macht, was er vorher machte. Und Rebecca McKay? Sie wartet in den Vereinigten Staaten. Sie wartet, dass, dank der strengen Strafen bei Sexualverbrechen in Kalifornien, Carlo Parlanti in den States zurückkehrt. Aber als Angeklagter. Sie wartet darauf, ihre Abservierung rächen zu können. Diese Rache bringt sie auch in den Genuss einer kleinen Leibrente für Vergewaltigungsopfer.
Schade, dass nichts Derartiges passiert ist, dass die Gewalttaten mutmaßlich und beweislos bleiben, aber darauf werden wir später nochmal eingehen. Setzen wir zeitlich geordnet fort: nach ungefähr einem Jahr Haft in Deutschland, vom Sommer 2004 bis zum Frühling 2005, ohne dass es Beweise und Tatsachen gab, die seine Festnahme rechtfertigten, wird er ausgeliefert. Dies obwohl seine Anwältin in Deutschland, Franziska Lieb, mehrere Rekurse wegen der offensichtlichen Unzulässigkeit seiner Auslieferung einreicht. Auch Cesare Bulgheroni, der italienische Anwalt von Carlo Parlanti, tut dasselbe. Cesare Bulgheroni reicht einen Rekurs an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen Verletzung der internationalen Abkommen bzgl. Auslieferungen ein. Ohne Erfolg.
3. Juni 2005 : der Manager, welcher ständig auf Reisen um die ganze Welt ist und immer von Frauen umgeben wird, der beinahe nicht weiß, wie er überhaupt in diese Zelle in Düsseldorf hingekommen ist, wird in einem Flugzeug eingepackt. Ziel: Kalifornien.

DER PROZESS
Von Düsseldorf nach Ventura, in Kalifornien, versetzt, erfährt Carlo Parlanti vom Strafverfahren, welches gegen ihn eingeleitet worden war. Der Prozess wird von einer unvorstellbaren Serie von aus dem Nichts geschöpften Beweisen, von verwirrten und widerrufenen Zeugenaussagen, die manchmal auf direktem Antrag vom district attorney erschienen sind (wie im Fall der Fotos), von gänzlich unbegründeten und unbeweisbaren Anklagen gekennzeichnet. Im Detail: der Bezirksstaatsanwalt spricht von Carlo Parlanti als dem project manager der ständig auf Reisen und von Frauen umgeben ist, als wäre er ein Verbrecher. Man spricht von Vorstrafen für bewaffneten Raubüberfall und verschiedenen Gewalttaten welche alle in Italien begangen worden seien. Schade, dass der Auszug aus Parlantis Strafregister rein und sauber ist, wie ein See ohne Schlamm würde man in einem furchterregenden Film sagen. Genauso furchterregend wie diese Geschichte. Das ist nur der Anfang: eine der unglaublichsten Aussagen von Rebecca McKay White betrifft die Alkoholmenge, die Carlo Parlanti in der Nacht des 29. Juni eingenommen hätte, bevor er sie angeblich vergewaltigte. Vier Liter Chardonnay in ungefähr fünf Stunden: eine solche Menge hätte ihn getötet, da es ein BAC – blood alcool content – von ungefähr 0,63 ergibt und das Äthylkoma schon bei 0,40 eintritt. Aber es kommen noch absurdere Aussagen: Rebecca McKay White hatte schon vorher das Datum der Gewalttat widerrufen, aus dem 6. Juli wurde plötzlich der 29. Juni 2002 – offensichtlich um einige Tage zu gewinnen – um das Fehlen sichtbarer Blutergüsse zu rechtfertigen und ein med-legal (der gynäkologischen Untersuchung für Vergewaltigungsopfern) zu vermeiden, da es dafür schon zu spät wäre.
In Bezug auf die Nacht vom fist fucking erzählt Rebecca McKay White von einer starken Blutung infolge davon, dass Carlo Parlanti ihr zuerst seine Faust in ihre Scheide und dann seine geöffnete Hand in ihren Mastdarm gesteckt habe.
Laut Rebecca McKay White habe die Hämorrhagie Blutspuren im Bett hinterlassen. Das Blut sei durch die Betttücher geflossen und habe sogar die Matratze durchnässt. Es ist überflüssig zu sagen, dass zur Zeit der Anzeige die Polizei nichts von all dem findet, als sie das Haus durchsucht. Sie findet Ordnung, das Bett perfekt gemacht, das makellose Leben von Carlo Parlanti. Die Gipskartonwand, gegen die Rebecca McKay White nach ihrer Aussage dutzende Male mit ihrem Gesicht geschleudert wurde, ist unversehrt. Alles ist in perfekter Ordnung. Niemand hat Arbeiter oder jemanden gesehen, der Reparaturen hätte ausführen können. Carlo Parlanti ist währenddessen woanders, immer noch in den Vereinigten Staaten, in Gulfport im Staat Mississippi. Er weißt nichts davon.
Die Frau hatte schon in Vergangenheit, anlässlich der Scheidung vom ersten Ehemann, Anzeichen psychischer Instabilität gegeben. Nun gibt sie während des Prozesses naiver weise zu, Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis zu haben, was zugute kommt, wenn man vor einem Anwalt, vor Gericht, vor einer Jury, begründen muss, wieso man das Datum des dramatischsten Tag seines Lebens widerrufen und um eine Woche vorverlegt hat. Erinnern Sie sich? Vom 6. Juli zum 29. Juni 2002. Es ist schwer, sich zu irren, besonders wenn man die Anzeige am 18. Juli erstattet. In einer so kurzen Zeitspanne ist eine Woche eine zu lange Zeit um sie mit einer anderen zu verwechseln: eine Woche wie hunderte andere, mit dem Unterschied dass man in einer von ihnen entsetzliche Gewalttaten erlitten hat.

DIE FOTOS
Einer der erschütterndsten Beweise, die Rebecca McKay White vorlegt, und unglaublicherweise für gültig gehalten wird, besteht aus zwei Fotos, in denen sie mit einem auffälligen Bluterguss am linken Auge erscheint. Es handelt sich um ein Bild, das Jahre nach der Anzeige auftaucht, genauergesagt nach drei Jahren, auf Antrag vom district attorney: es handelt sich um eine Fälschung. Es ist eine Fälschung, die aber für die Verurteilung von Carlo Parlanti ausschlaggebend sein wird. Warum ist es eine Fälschung? Man betrachte (es ist nicht sonderlich schwer) die zwei Bilder, die nach drei Jahren vorgelegt wurden, die mit dem bläulich befleckten linken Auge, und ein anderes Bild, welches von der Polizei von Ventura anlässlich der Anzeige am 18. Juli 2002 geschossen wurde. Es handelt sich um die selbe Person, die aber einige Jahre älter ist, einen anderen Haarschnitt und eine glattere Haut hat. Das ist nicht alles: während des Verhandlungsverfahrens behauptet Rebecca McKay White, sie habe sich selbst diese Fotos im Badezimmer von Carlo Parlantis Haus geschossen, auf der Toilette sitzend. Leider spielt ihr das Gedächtnis – schließlich hatte sie ja erklärt, Probleme mit ihrem Kurzzeitgedächtnis zu haben – einen Streich: das Badezimmer von Carlo Parlanti ist gelb gestrichen. Die von Rebecca McKay White vorgelegten Fotos, die mit einer kompakten Wegwerfkamera geschossen wurden, haben einen schneeweißen Hintergrund mit einer hellblauen Spiegelung. Obwohl es offenbar ist, dass es sich sehr wohl um die selbe Person handelt, aber in verschiedenen Jahren und Orten – ein scheinbar unwichtiges Detail für einen Tatbeweis… – im Gegensatz zum Zeitpunkt und Ort, wo die vermeintliche Vergewaltigung stattgefunden haben sollte, wird das Urteil gegen Carlo Parlanti gefällt.

DAS URTEIL
Carlo Parlanti wird zu neun Jahren Haft verurteilt. Er muss die Strafe in der Haftanstalt von Avenal (s. Foto) abbüßen. Noch bevor es ihm schlecht gehen kann wird es gleich noch schlimmer: er wird in eine Schlägerei verwickelt, man weißt nicht wie, aber er zieht sich eine Hepatitis C zu. Er leidet unter Pyorrhöe, er verliert Zähne. Er reagiert schlecht, genau so wie ein Unschuldiger, der ohne Grund ins Gefängnis gesteckt wurde, reagiert.
Seit einiger Zeit ist eine Webseite www.carloparlanti.it aktiv, die sich eingehend mit dieser grauenhaften Geschichte beschäftigt, und eine Unterschriftensammlung, um Klarheit in eine komplizierte Geschichte zu schaffen, die – wie schon zu Beginn gesagt – schwer zu verfolgen ist, mit all ihren Daten und Orten die man sich merken muss und die man zu schnell vergisst.